Wachstumskonzept für SIEBTECHNIK

27. März 2018

Lukas Lehmann (stellv. Chefredakteur der Fachzeitschrift cav – chemie anlagen verfahren) im Gespräch mit Dr. Reinhard Scholz (Geschäftsführer SIEBTECHNIK GmbH).

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cav: Herr Dr. Scholz, Sie treten in die Fußstapfen von Karl Bongartz und Horst Dietschreit, die in der Branche einen sehr guten Ruf genießen und SIEBTECHNIK über Jahre sehr erfolgreich geführt haben. Ist es nicht schwierig die Nachfolge von einem solchen Erfolgsduo anzutreten?

Dr. Reinhard Scholz: Natürlich habe ich Respekt vor der Leistung meiner Vorgänger und vor der neuen Aufgabe. Aber ich bin als Geschäftsführer nicht allein. An meiner Seite stehen zwei erfahrene Kollegen, die das Unternehmen seit langem führen. Außerdem komme ich ja nicht als Neuling. Ich verfüge über eine mehr als 25-jährige Erfahrung auf dem Gebiet der Fest-Flüssig-Trennung und dem dazugehörigen Anlagenbau. Bereits in der Vergangenheit habe ich durch meine unterschiedlichen Funktionen bei der GEA mit SIEBTECHNIK als Lieferant zusammengearbeitet. Ich kenne also das Unternehmen und seine Marktbegleiter seit vielen Jahren.

cav: Was wollen Sie anders als Ihre Vorgänger machen?

Dr. Scholz: Ich werde den erfolgreichen Weg meiner Vorgänger fortsetzen. Allerdings habe ich mir die Fähigkeit bewahrt, als Außenstehender auf das Unternehmen zu schauen. Das hilft mir, in Diskussionen mit Kollegen kritische Fragen zu stellen und Entwicklungspotenziale für die Zukunft zu erkennen.

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cav: Welche wichtigen strategischen Initiativen beinhaltet Ihr Wachstumskonzept?

Dr. Scholz: Wir müssen als Erstes unsere Außenwirkung ändern. Viele unserer Kunden sehen SIEBTECHNIK lediglich als einen Lieferanten von Zentrifugen. Wir sind aber ein Lösungsanbieter und wollen als solcher wahrgenommen werden. Daran müssen wir arbeiten. Des Weiteren muss SIEBTECHNIK als deutsches Unternehmen auf die sich stetig ändernde globale Kundenstruktur reagieren. Früher waren lokale Unternehmen unser Kunden, die eine Zentrifuge oder einen Dekanter bei uns orderten. Heute werden etwa 60 % der Aufträge im internationalen Anlagenbau über EPC-Kontraktoren vergeben. Diese Engineering-Büros sitzen häufig in Korea, Taiwan oder den USA und realisieren Anlagen irgendwo auf der Welt. Unsere Aufgabe besteht also darin, unsere internationalen Vertriebsaktivitäten auf die Anforderungen der global agierenden EPC-Kontraktoren abzustimmen. Die müssen wissen, wer wir sind, was wir können und wo unsere Stärken im Vergleich zu unseren Wettbewerbern liegen. Eine weitere Initiative beinhaltet die Optimierung unserer Serviceorganisation.

cav: Woran wollen Sie in den kommenden fünf Jahren noch arbeiten?

Dr. Scholz: Siebtechnik ist eine Zentrifugenmanufaktur. Wir haben zehn verschiedene Zentrifugen- und Dekantertypen im Portfolio, die wir genau auf die Bedürfnisse des Kunden zuschneiden. Das ist sehr aufwendig und kostenintensiv. Vor diesem Hintergrund wollen wir – ähnlich wie das in der Automobilindustrie seit Jahren erfolgreich praktiziert wird – die Modularisierung unserer Maschinen über standardisierte Baugruppen vorantreiben, ohne dabei das Alleinstellungsmerkmal einer Zentrifugen-Manufaktur aufzugeben.

cav: Können Sie das bitte an einem Beispiel erläutern.

Dr. Scholz: Zum Siebtechnik-Portfolio gehören verschiedene einseitig gelagerte Maschinen, beispielsweise die CONTURBEX-Siebschneckenzentrifugen oder die SHORTBOWL-Dekantierzentrifugen. Hier bietet sich eine Vereinheitlichung des Antriebs an. Wir werden also Lösungen entwickeln, bei denen ein standardisiertes Antriebsmodul mit verschiedenen Zentrifugen kombiniert werden kann. Das erleichtert den Einkauf und die Lagerhaltung und macht die Produktion effizienter, ohne dass wir am kundenspezifischen Charakter der produktberührten Teile der Maschine etwas ändern.

cav: Alle reden von Industrie 4.0 und Digitalisierung. Spielen diese Themen in Ihren strategischen Überlegungen eine Rolle?

Dr. Scholz: Natürlich. Wir prüfen gerade, wie durch die Digitalisierung der Kontakt zu den Kunden optimiert werden kann, und ob sich daraus für uns neue Geschäftsmodelle ergeben. Und ich habe das Ziel, durch die Möglichkeiten der Digitalisierung die Effizienz unserer eigenen Geschäfts- und Produktionsprozesse zu erhöhen.

cav: Außerdem planen Sie, ein neues Technikum zu bauen.

Dr. Scholz: Richtig. Es wird in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Zentrifugen-Technologiezentrums entstehen, das wir 2012 in Betrieb genommen haben. Der Neubau versetzt uns in die Lage, unsere zahlreichen Versuchsmaschinen in attraktiven Räumlichkeiten zu betreiben.

cav: Wie hat die Belegschaft auf Ihre strategischen Überlegungen reagiert?

Dr. Scholz: Im Dezember letzten Jahres haben wir dem Verwaltungsrat und der Belegschaft die strategischen Initiativen vorgestellt. Beide haben sehr positiv auf sie reagiert. Es ist eine Wachstumsstrategie, die SIEBTECHNIK organisatorisch und ökonomisch für die Herausforderungen der Zukunft rüstet.

cav: Geben Sie bitte einen Überblick über die Branchen, die SIEBTECHNIK mit Zentrifugen beliefert.

Dr. Scholz: Der globale Markt für Zentrifugen ist riesig. Er beläuft sich nach unseren Schätzungen auf etwa 1,4 Mrd. Euro, wobei die Hälfte davon auf Dekanter entfällt. Folgende Bereiche haben wir als unsere Zielmärkte definiert: Recycling, anorganische Salze, Düngemittel, organische Verbindungen, Polymere sowie Food und Dairy.

cav: In welchen Bereichen sehen Sie Wachstumspotenziale für SIEBTECHNIK?

Dr. Scholz: Beispielsweise in der chinesischen Recyclingwirtschaft. Dort plant man, in den kommenden Jahren 1000 Kraftwerke mit ZLD-Anlagen nachzurüsten.

cav: Wofür steht ZLD?

Dr. Scholz: Für Zero Liquid Discharge. In diesen Anlagen, die eine abwasserlose Produktion zum Ziel haben, übernehmen Schub-, Dekantier- und Siebschneckenzentrifugen wichtige Aufgaben bei der Fest-Flüssig-Trennung. Die genannten Zentrifugentypen haben wir allesamt im Programm. Wir hoffen deshalb, möglichst viele Aufträge aus diesem Bereich für uns sichern zu können. Des Weiteren sehe ich große Wachstumsmöglichkeiten im Bereich der anorganischen Salze und zwar hier bei der Lithium-Gewinnung.

cav: Beziehen Sie sich auf den Lithium-Boom?

Dr. Scholz: Genau, den meine ich. Der Bedarf an leistungsfähigen Batterien steigt stetig. Ein Grund dafür ist die wachsende E-Mobilität. Wichtiger Bestandteil der Batterien ist Lithium. Experten erwarten in den kommenden fünf Jahren eine Vervierfachung des Lithiumbedarfs auf 400 bis 500 t Lithium-Carbonat-Equivalente.

cav: Welche Rolle spielen SIEBTECHNIK-Zentrifugen bei der Lithiumgewinnung?

Dr. Scholz: In der Natur kommt Lithium nur in geringen Konzentrationen und in Kombination mit anderen mineralischen Salzen vor. Seine Gewinnung und Isolation ist sehr aufwendig und ohne leistungsfähige Fest-Flüssig-Trennung nicht machbar. Wir sind in der Lage, entsprechende Maschinen zu liefern.

cav: Und wie sieht es im Bereich Polymere aus?

Dr. Scholz: Hier profitieren wir kurzfristig von dem steigenden Bedarf an HDPE und PVC in Asien. In diesem Bereich ist SIEBTECHNIK mit großen Dekantern sehr erfolgreich. Auch im Bereich der organischen Verbindungen sehe ich interessante Wachstumsmöglichkeiten. Ich meine hier besonders die Gewinnung von Methionin und Threonin. Der Bedarf an diesen Aminosäuren und ihren Salzen, die zum Beispiel als Zusatzstoffe für Lebensmittel genutzt werden, wächst stetig. Hier haben sich unsere Siebdekanter der Turboscreen-Baureihe mit ihrer zusätzlichen Filterstufe bewährt. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet für unsere Siebschneckenzentrifugen und Shortbowl-Dekanter bleibt die Lactose-Herstellung.

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cav: Kommen wir zum Schluss zur Achema. Welche Neuigkeiten werden Sie auf der Messe präsentieren?

Dr. Scholz: Wir werden eine energetisch optimierte Variante unserer Schubzentrifugen der SHS-Baureihe vorstellen. Diese Maschinen verbrauchen etwa 15 % weniger elektrische Energie. Außerdem werden wir den Fachbesuchern verbesserte Sieborgane vorstellen.

cav: Können Sie das bitte erläutern?

Dr. Scholz: Mithilfe einer speziellen Wasserstrahlschneidetechnik sind wir in der Lage, Siebe zu produzieren, die über eine große, freie spezifische Siebfläche verfügen und gleichzeitig eine hohe Hinterschneidung aufweisen. Letztere sorgt besonders bei klebrigen oder zur Kristallisation neigenden Produkten für eine deutlich längere Standzeit. Und wir wollen die Servicefreundlichkeit unserer Siebkörbe verdeutlichen, die sich aus mehreren Siebsegmenten zusammensetzen. Diese nun patentierte Lösung bietet dem Anwender verschiedene Vorteile bei der Montage- und Demontage, bei der Wartung und auch bei der Lagerhaltung.

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